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Was meint der Begriff Care Leaver?

Care Leaver sind junge Menschen oder Erwachsene, die einen Teil ihres Lebens in Einrichtungen der Jugendhilfe (=Care) verbracht haben. Die Gründe dafür sind sehr verschieden und auch die Einrichtungsformen unterscheiden sich: Heim, Jugendwohngruppe, Pflegefamilie oder Erziehungsstelle, Kinderdorffamilie oder andere betreute Wohnformen. Immer aber waren oder sind diese Orte für die Jugendlichen bedeutsam und mit wichtigen Erfahrungen verbunden. Für manche war es ein zweites Zuhause, verbunden mit viel Unterstützung, für andere nur eine Lebensstation unter mehreren. In der Regel müssen die Jugendlichen die Hilfe zwischen dem 18. und 21. Lebensjahr verlassen (=Leaver). Dabei ist der Übergang in ein selbstständiges Leben für die Jugendlichen nicht immer einfach und zum Teil mit großen Hürden verbunden.

Mit welchen Herausforderungen sind Care Leaver konfrontiert?

Care Leaver haben es in vielerlei Hinsicht um einiges schwerer als Kinder und Jugendliche, die bei Ihren Eltern aufgewachsen sind. Sie bekommen meist weniger oder sogar keine soziale und materielle Unterstützung von ihrer Herkunftsfamilie. Ihre Familie bietet seltener Rückendeckung, wenn es mal klemmt. Hinzu kommt, dass Ausbildung oder Studium meist noch nicht abgeschlossen sind. Nicht selten ist das Geld zum Monatsende hin knapp. Beim Berufseinstieg, in den ersten Jahren in der eigenen Wohnung, beim weiteren Schulbesuch, in Krisen oder während der ersten Schwangerschaft können sie nicht mehr mit jener alltäglichen sozialen und finanziellen Unterstützung rechnen, die bei anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen vielfach die Familien oder andere Bezugspersonen gewährleisten.

Ämtergänge sind für Care Leaver daher nichts Ungewöhnliches. Dabei werden sie immer wieder wie selbstverständlich auf die familiären Ressourcen verwiesen, die aber für sie nicht vorausgesetzt werden können. Bei Behörden oder der Antragstellung für staatliche Leistungen sind Care Leaver häufig mit für sie unangenehmen Fragen nach der Herkunftsfamilie konfrontiert. Gleichzeitig fehlen vertraute Ansprechpersonen, Freunde, Begleiter, die hier zur Seite stehen oder auch mal in einer Notlage unter die Arme greifen könnten.

Zwar gibt es eine große Palette an staatlichen Unterstützungsleistungen in der Übergangszeit in ein eigenverantwortliches Leben, die einzelnen Hilfesysteme sind aber für die jungen Menschen nur schwer zu durchschauen, die Zugänge oftmals diffus, kompliziert und unpersönlich. Welche Behörde ist wofür zuständig? Welche Nachweise sind zu erbringen? Welche Voraussetzungen gibt es? Nicht selten wird der Behördendschungel den Jugendlichen eine zusätzliche Last, wenn Behörden auf die Zuständigkeit anderer Instanzen verweisen. Wenngleich dies für Adressaten wenig transparent und nachvollziehbar ist, scheuen sie doch den Weg der Beschwerde oder des Widerspruchs, wenn sie hier auf sich alleine gestellt sind.

Es ist gut den Übergang aus der Jugendhilfe in ein eigenverantwortliches Leben nicht alleine zu gehen!                   

An dieser Stelle setzt unser Projekt an.

Wen wollen wir ansprechen?

Diese Homepage und unsere Angebote richten sich an Care Leaver, die Unterstützung im Übergang brauchen, die sich gerne treffen, vernetzen, austauschen und solidarisieren wollen mit anderen Care Leavern.

Wir wollen mit der Homepage aber auch Einrichtungen ansprechen, die Care Leaver in die Selbstständigkeit begleiten, mit Care Leavern in Kontakt stehen und die sich mit uns zusammen Gedanken dazu machen wollen, wie die Übergänge besser gestaltet werden und Care Leaver zukünftig mehr Unterstützung finden können.